Die Bücher
Wem gehört diese Geschichte?
Die Odyssee kritisch gelesen

Gerade die Odyssee im Kino gesehen? Das hier hat der Film auch nicht erzählt.
- Kindle E-Book9,99 €
- Taschenbuch22,99 €113 Seiten
- Gebundene Ausgabe32,09 €96 Seiten
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Jede Behauptung mit Gesang und Vers.
So arbeitet dieses Buch
Ein Mann kehrt nach zwanzig Jahren aus dem Krieg zurück. So fangen viele große Geschichten an, und die Odyssee ist die älteste und berühmteste von allen. Zwanzig Jahre: zehn vor Troja, zehn auf dem Meer. Zu Hause, auf der kargen Insel Ithaka, warten seine Frau und sein Sohn. Als er endlich ankommt, erkennt ihn niemand. Er muss sich sein Haus, seine Familie, seinen Namen zurückerobern. Ende gut, alles gut.
Die Stelle geht im Buch weiter
Und so lässt sich jede Behauptung prüfen:
Im fünften Gesang der Odyssee wird die älteste Ungleichbehandlungsklage der europäischen Literatur zu Protokoll gegeben.
Ein Mann kehrt nach zwanzig Jahren aus dem Krieg heim, erobert sich Haus und Namen zurück. Ende gut, alles gut. So wird die Odyssee seit dreitausend Jahren erzählt. Sie stimmt — und verschweigt die Hälfte.
Denn derselbe Stoff lässt sich auch so erzählen: Eine Frau verteidigt zwanzig Jahre lang allein einen Königshof. Über hundert bewaffnete Männer haben sich in ihrem Haus einquartiert und fordern ihre Hand — denn mit ihr wird das Königreich vergeben. Sie hat keine Truppen, keine Rechte, keinen Beschützer. Was sie hat: einen Webstuhl und einen sehr wachen Verstand. Drei Jahre hält sie ihre Belagerer mit einer einzigen List hin — tagsüber webt sie, nachts trennt sie das Gewebte wieder auf.
Beide Erzählungen stehen im selben Gedicht. Nur eine hat es in die Schulhefte, auf die Buchdeckel und in die Filme geschafft. Warum eigentlich?
Dieses Buch schlägt Homers Text noch einmal auf — Vers für Vers, überprüfbar — und stellt die Fragen, die die Kurzfassung nie stellt. Warum verlangt das Epos von Penelope heilige Treue, während ihr Mann acht Jahre in den Betten zweier Göttinnen verbringt und dafür kein einziges Wort der Rechenschaft fällt? Was bieten die Sirenen wirklich an — bei Homer haben sie weder Fischschwänze noch Liebeslieder, sondern Wissen, das ganze Wissen der Welt? Was kostete ein Mensch (zwanzig Rinder, wenn Sie Eurykleia hießen)? Und der 22. Gesang, das dunkle Herz des Epos, das Jugendausgaben seit Jahrhunderten überspringen, wird hier verhandelt, wie es seine Wucht verlangt: als vollständiges Protokoll — Tatbestand, Verteidigung, Anklage. Das Urteil sprechen Sie.
Eine Frage hält alle Kapitel zusammen und bleibt weit über die letzte Seite hinaus: Wem gehört diese Geschichte — und wer bezahlt für ihr Happy End? Wer diese Rechnung einmal lesen gelernt hat, liest sie in jeder Geschichte mit. Auch in der eigenen.
Vorkenntnisse braucht es keine. Nur den Verdacht, dass Ihnen die Hälfte verschwiegen wurde.



